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    Der Casamance-Konflikt aus der Sicht eines Betroffenen: Interview mit Bambo Sané    
   

Bambo Sané aus der Casamance erlebte den Konflikt mit eigenen Augen. Heute sechs Jahre nach seiner Flucht schildert er uns die Zustände und die Hintergründe.
 
Du kommst aus dem Süden von Senegal, woher genau?

Casamance. Ich komme aus einem Dorf. Es heißt Bambadinca und ist 15 km von Ziguinchor, der Regionalhauptstadt von Casamance entfernt.

Wann bist du von dort weggegangen und kannst du vielleicht ein bisschen die Entwicklung des Konflikts schildern?

Ich bin 1997 von dort weggegangen.
Es gibt eine Gruppe, die Casamance unabhängig haben wollen. Die Gruppe heißt MFDC, das heißt „Mouvement des Forces Démocratiques de la Casamance“. Eine der ersten Aktionen von MFDC war  1982 ein Attentat in Ziguinchor. Es hat sich so entwickelt, dass die Rebellen an verschiedenen Orten verschiedene Basen gehabt haben. Sie waren meistens im Wald und kamen nur ins Dorf um sich Nahrungsmittel und Tiere zu holen.

Bist du aus der Casamance aufgrund dieses Konflikts geflüchtet?

In der Nähe von Bambadinca, meinem Dorf ist eine Rebellenbasis im Wald. Die Rebellen kommen ins Dorf und fragen die Leute, ob sie sie unterstützen wollen. Wenn man sagt, dass man sie nicht unterstützt, ist man tot oder man muss ihnen entkommen.
Einige Leute aus dem Dorf laufen weg um Hilfe vom Militär zu holen. Wenn die Soldaten kommen, sind die Rebellen meistens schon weg und da das Militär nicht weiß wo sie bombardieren sollen, bombardieren sie die ganze Umgebung vom Dorf. Viele Menschen sind bei solchen Bombardements gestorben. Heute lebt niemand mehr in dem Dorf.

Versuchen die Rebellen damit die Regierung zu erpressen?

Ja. Es gibt außerdem viele Rebellenbasen in der Casamance und es ist schwer für die Regierung und das Militär sie zu kontrollieren.
Ein Problem hat es immer bei den Kontrollen gegeben: Es gibt einen Mitgliedsausweis der Rebellen. Wenn du einmal von den Rebellen kontrolliert wirst und keinen Mitgliedsausweis hast, hast du Schwierigkeiten. Wenn du vom Militär kontrolliert wirst und sie finden den Ausweis hast du auch keine Chance zum Weiterleben.
Militär und Rebellen sind gleich schlimm: beide sind sehr gewalttätig. Das Militär ist auch nicht dein Beschützer.

Die einzige Möglichkeit ist dann nur mehr flüchten...

Natürlich, das ist der einzige Ausweg sein Leben zu retten. Das Schlimme in der Casamance ist, dass es viele verminte Gebiete gibt. Die Bauern können oft nicht mehr in Ihren Plantagen arbeiten, weil immer wieder Mienen explodieren. 
Ich habe nicht ausgewählt nach Österreich zu kommen, es war ein Zufall. Eigentlich wollte ich nach Frankreich wegen der Sprache und weil ich dort Verwandte habe.

Wolltest du immer in ein anderes Land flüchten? Wieso bist du nicht einfach in den Norden von Senegal gegangen?

Es war auch nicht möglich dort zu bleiben. Es ist wichtig einen Platz zu finden wo man Schutz suchen und auch eine Existenz aufbauen kann. Es gibt so viele Flüchtlinge auch aus dem Norden Senegals.

Fällt dir vielleicht noch ein kurzes Erlebnis ein in Verbindung mit dem Konflikt?

Senegal wird von außen als demokratisches Land gesehen, in dem es keine Probleme gibt, aber das ist nicht wahr. Vor 3-4 Monaten ist ein Schiff, das von der Casamance nach Dakar unterwegs war mit 1200 Menschen an Bord gesunken. Eigentlich hätte das Schiff nur 500 Passagiere aufnehmen dürfen. Warum ist das passiert? Warum fahren die Leute nicht mit dem Auto in den Süden/Norden? Das ist die Unsicherheit. Die Leute haben Angst. Immer wieder werden auf diesen Straßen die Leute von den Rebellen attackiert.

Siehst du Hoffnung für den Konflikt in naher Zeit?

Ja, ich denke schon. Es ist jetzt auch schon besser geworden. Aber eigentlich geht es nicht darum, dass die Casamance unabhängig ist. Die Casamance ist der reichste Teil von Senegal, trotzdem gibt es dort keine Universitäten, keine Industrie und 1960 wurde die letzte Straße, die 2km lang ist, in der Casamance gebaut. Das ist das Problem. Wenn solche Dinge gelöst werden, werden die Leute auch nicht mehr rebellieren.

Danke für das Interview

Adina und Arno

 

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